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Lichtenberg-Schule

Start Unterricht Religion
Ein christlicher Bischof und ein jüdischer Witz PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Marta   
Donnerstag, den 22. Januar 2009 um 12:35 Uhr

Ein Besuch von Bischof Dr. Martin Hein an unserer Schule

"Wann beginnt für Sie das menschliche Leben?"

- "Wenn der Hund gestorben ist und die Kinder aus dem Haus sind!"

Mit diesem jüdischen Witz begann Bischof Hein nach einer kurzen Ansprache der Schüler die Podiumsdiskussion zum Thema "Christliches und wissenschaftliches Menschenbild".
Daraufhin erklärte er, dass die Frage nach dem Beginn des Lebens eine Definitionsfrage sei und beleuchtete verschiedene Aspekte der Lebensdefinitionen. Seiner persönlichen Ansicht nach beginnt das Leben jedoch mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle.
In dem einstündigen Gespräch, zu dem alle Religions- und Ethikkurse des 12. Jahrgangs erschienen waren, machte der Bischof auch deutlich, dass er kein Gegner einer künstlichen Befruchtung ist.
Allerdings zeigt sich seine Haltung der Präimplantationsdiagnostik (PID) gegenüber eher kritisch. Bischof Hein vertritt die Auffassung, dass Gesundheit kein Leben ausmacht. Auch ein Kind mit Behinderung sei ein lebenswürdiges Wesen. Aus eben jenem Grund bewundere er auch Eltern, die zu ihren Kindern trotz Krankheit oder Behinderung stehen und das Leid, das sie erfahren müssen, in Kauf nehmen.
Darüber hinaus sprach sich der zweifache Vater gegen die Abtreibung aus. Seiner Ansicht nach sei eine Adoption zu bevorzugen und auch die Kirche stelle jungen Müttern viele Hilfen zur Verfügung. Im Falle einer Vergewaltigung habe er jedoch Verständnis für eine Abtreibung, zumal diese als eine nicht strafbare Tötung gilt.
Auch von einer Leihmutterschaft rät Bischof Hein ab, da die Beziehung zwischen Mutter und Kind während der Schwangerschaft sehr prägend sei und somit schwierige juristische Konsequenzen nach sich ziehen könne.
Den Einsatz von Chip-Implantaten, um beispielsweise Blinde sehend zu machen, sieht der Bischof wiederum positiv. Wissenschaft und biblischer Glaube schließen sich seiner Meinung nach nicht aus und trotz vieler Manipulationsmöglichkeiten befürwortet er den technischen Fortschritt und die Heilungschancen, die mit Chip-Implantaten erreicht werden können.
Des Weiteren sieht Bischof Hein auch die passive Sterbehilfe als legitim an, spricht sich jedoch explizit gegen die aktive Sterbehilfe aus.

Aus der Diskussion, die teilweise eher einem Interview glich, ließ sich also erkennen, dass Bischof Dr. Martin Hein die Wissenschaft keineswegs ablehnt. In vielen Bereichen zeigt er sich der Wissenschaft gegenüber äußerst positiv eingestellt, auch wenn er zum Beispiel die PID und auch den Schwangerschaftsabbruch als ethisch nicht vertretbar sieht.

Insgesamt ist Bischof Hein eloquent und überzeugend aufgetreten und hat umfangreiche wissenschaftliche Kenntnisse unter Beweis gestellt, obwohl er sich auch teilweise unflexibel gezeigt hat.

Bilder von Jenny Bensch
[Erstellt von Anata Runkel, 20.06.2006]
 
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 22. Januar 2009 um 12:51 Uhr