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Lichtenberg-Schule

Start georg - Schülerzeitung Allgemein Unter den ersten 15 beim Spiegelschülerzeitungswettbewerb
Unter den ersten 15 beim Spiegelschülerzeitungswettbewerb PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Thomas Maxara   
Mittwoch, den 08. Juli 2009 um 18:04 Uhr

Die Schülerzeitung Georg. der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule gewann mit folgendem Beitrag von Louise Wachsmuth einen der Plätze 1-15 beim 13. Schülerzeitungswettbewerb des Magazins DER SPIEGEL:

Wenn das so weitergeht, suche ich mir eine neue Generation - oder vom Sitzen, Warten und Wünschen.

Von Louise Wachsmuth, 11d.

Da sitze ich schön entspannt, zu lässiger Musik von Jack Johnson summend vor meinem Laptop, da springen mir auf einmal zwei unübersehbare Rundungen ins Auge. „Mist!“, denke ich „schon wieder so eine nervige Werbeseite!“ Gerade will ich die Seite wegklicken, da fällt mir auf, dass ich keine Werbung für einen Porno, sondern einen Link von einem Internetblog vor der Nase habe! Und die Inhaberin der schon erwähnten Rundungen ist mir doch auch nicht unbekannt!

Klassenkameradin im Bikini Klarer Fall.

Ein Mädchen aus meiner Schule, aus meinem Jahrgang, in meinem Alter. Aufgerissene Augen, gespitzter Kussmund und ein Ausschnitt, bei dem man von oben rein bis zum Bauchnabel gucken kann. Ich klicke weiter. Bilder von ihren „friendzz“ und „Schatziis“, die ich auch, trotz überbelichteter bearbeiteter Fotos, wieder erkenne. Von der natürlichen Neugierde des Menschen gepackt nehme ich diese Seite, wie wohl hunderte von anderen Besuchern vor mir, genauer unter die Lupe. Ich sehe Bilder, bei denen sogar ich rot werde, immer die Angst im Nacken, es könnte auch jemand heimlich solche Bilder von mir ins Internet stellen. Doch peinlich scheinen, den Mädchen insbesondere, diese Posen nicht zu sein. Stolz werden hier neu gekaufte Bikinis präsentiert und grell geschminkte Gesichter mit rausgestreckten Hinterteilen springen mir fast auf den Schoß. Unter den Bildern lese ich von gemeinsam durchlittenen Krisen, von Streiten, die entweder aus der Welt geschafft wurden oder immer noch nächtelang beweint werden und von Freundschaften, wie sie scheinbar noch nicht einmal im Märchen vorkommen. Der Sprache und Rechtschreibung nach zu urteilen wurden diese Artikel blind und im Halbschlaf verfasst, doch lassen die aufwendig colorierten Schriften und Bilder auf viel Arbeit schließen. „Meinen die das wirklich ernst?“ frage ich mich, als ich mich durch die seitenfüllenden Liebeserklärungen kämpfe, bei dem eine dramatischer ist als die andere. „Wow, hat die viele Freunde!“ würde ich auf den ersten Blick sagen.

Freundschaft oder Fake?

Doch was steckt hinter dieser „abffl“ - aller besten freundin for life - wenn es noch eine zweite, ja sogar dritte gibt? Verlieren diese Aussagen und Liebeserklärungen nicht an Bedeutung, wenn sie in solch einer Masse auftreten? Doch das ist es gerade, was unsere Generation ausmacht. Es zählt nicht mehr, als das, was die anderen von einem denken, auf wie vielen Bildern man verlinkt oder kommentiert wurde und ob man auch ja die richtigen Klamotten zum richtigen Zeitpunkt trägt. Das Leben spielt sich bei vielen online ab. In ist, wer drin ist. Klar und wahr. Auf den erwähnten Homepages oder Fotoalben wird kritisiert, geschleimt und abgecheckt. Lästerthema Nummer 1: Der neue Blog, die neue Fotoreihe und die neusten Beziehungskrisen von Miss X und Mister Y. Die Frage, was nach der Schule aus dem Leben gemacht wird, stellt sich jetzt noch keiner oder wird mit der oberflächlichen, aber verzweifelt ernst genommenen Antwort abgetan: „Ich heirate doch eh mal einen Millionär! Wozu der Aufwand?“

Internet mutiert zum Schaufenster

Da denkt keiner darüber nach, dass vielleicht die Zukunft davon abhängt, was man für ein Bild im Internet von sich präsentiert. An Lehrer oder Arbeitgeber, die genau Bescheid wissen, wo sie diverse Schüler finden und sich mit kleinen Tricks zu jedem Forum Zugang verschaffen, wird nicht gedacht. Der Schulhof mutiert zum Laufsteg und das Internet zum Schaufenster. Wer aus der Reihe tanzt, gehört nicht dazu. Und wer glaubt, es gäbe kein Klassenmodell mehr, der muss sich einfach einmal umschauen. „Zeig mir deine Schuhe, ich sage dir, wer du bist“, so schon ein Zitat der Autorin Lauren Weisberger. Es trifft zu. Aber während Teens, die sich ihre übel aussehenden Zukunftsperspektiven bei Flatrate-Partys aus der Birne saufen und sich bildlich danach auskotzen und andere Altersgenossen in den Straßenbahnen durch aggressive Handymusik die Mitmenschen nerven, singt Jack Johnson sein altbewährtes Lied und wir können nur Sitzen, Warten und Wünschen. Auf unsre Generation, auf dass wir doch was werden!

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 08. Juli 2009 um 18:35 Uhr